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Dat Düwelsspeel in Hohne

Auf Ebels Hof in Hohne bei Bergen wurde viel Karten gespielt. Zwar spielten sie auf allen Höfen und auch in Bergen in den Wirtschaften gern Karten, aber nirgends so viel wie in Ebels Hause. Es war am Weihnachtsabend. Die Sülze war gegessen, das Vieh gefüttert, der Abendsegen gelesen. Da kriegte Ebels Vater wieder die Karten her. Aber es wollte so recht keiner von den Knechten mitmachen. Es war ja der Heilige Abend. Schließlich kriegte der Bauer den Fuhrmann und einen der Knechte doch so weit, dass sie mit ihm spielten.

Sie spielten "Drei Karten, drei Pfennig". Die Stunden vergingen; die Spieler merkten es kaum. Gern hätte der Bauer mal Solo gespielt. Aber heute kam keiner von den Nachbarhöfen herüber. So fehlte ihnen der vierte Mann. Es schlug zwölf. Da kam noch jemand in die Tür; aber es war kein Nachbar, sondern ein Fremder, der die Nacht gerne in Ebels Hause bleiben wollte. Es fiel ihnen gar nicht auf, dass am heutigen Abend so spät noch einer kam. Sie hatten die Zeit ganz vergessen. Der Mann fragte, ob er nicht ein bisschen mit ihnen spielen könnte. Nun hatten sie ja den vierten Mann, und nun konnte das Solospiel beginnen. So ging es denn los mit Spitz, Spandille und Baschan. Aber der Fremde schien doch nicht so gut spielen zu können; denn er verlor, und die drei aus dem Hause hatten schon ansehnliche Haufen von Münzen neben sich liegen.

Der Fremde aber zog immer wieder seinen Lederbeutel aus der Tasche. Die Uhr wurde eins. Da fiel dem Fuhrmann beim Geben eine Karte unter den Tisch. Er bückte sich, um sie aufzuheben. Dabei fiel sein Blick auf den Fremden, dessen Schuhe auf dem Tischfuß ruhten. Zu seinem Schrecken gewahrte er, dass der Fremde einen Pferdefuß hatte. Ohne ein Wort zu sagen, warf er die Karten auf den Tisch, eilte hinaus und schloss sich in der Kammer ein. Die beiden anderen Spieler sahen ihm bestürzt nach, gewahrten auch den Fuß des Fremden und verließen schleunigst die Stube. Als sie am andern Morgen wieder in das Zimmer traten, war der Fremde verschwunden. Das Geld aber war auch fort.

Quelle: Paul Alpers und Georg Breling (Hrsg.): Celler Sagen aus Stadt und Land, Celle 1949