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Timm-Willem – Ausrufer von Hermannsburg

In früheren Zeiten gab es in Hermannsburg den „Ausrufer“. Lange Jahre war „Klingel-Buhr“ dafür zuständig, aber als er starb, übernahm Wilhelm Timme, genannt „Timm Willem“ diese vielseitige Aufgabe.

Zunächst machte er als Nachtwächter jeden Abend bei Wind und Wetter seinen Rundgang mit der Leiter durch die Gemeinde, um die Laternen anzuzünden. Diese mussten noch von Hand angezündet werden und wurden am späten Abend von ihm wieder ausgeblasen.

Timm-Willem – Ausrufer von Hermannsburg
Timm-Willem – Ausrufer von Hermannsburg

Als „Ausrufer“ fuhr er mit seinem Fahrrad, seinem Hund und der Handglocke mehrere Plätze im Ort an und verlas mit lauter Stimme amtliche Bekanntmachungen, Auktionen und Versammlungen. Timm Willem läutete auch die Glocken der Peter-Paul-Kirche. Er war Gerichtsdiener, trieb Steuern ein, wies den Marktbeschickern ihre Stände zu und kassierte die Gebühren.

Wie kein anderer kannte er sich im Ort aus und wusste, was vor sich ging. Er war eben ein Hermannsburger Original. Im Jahr 1946 verstarb er.

Als das Rathaus von Hermannsburg 1991 gebaut wurde, kam die Überlegung auf, vor dem Rathaus eine Skulptur aufzustellen. „Timm Willem“ sollte es werden. Bei einer großen Spendensammelaktion kam durch die Hermannsburger Bevölkerung so viel Geld zusammen, dass „Timm Willem“ mit Fahrrad und Glocke sogar noch größer als im Original hergestellt werden konnte. Der Auftrag für die Gestaltung der Bronzeskulptur ging an die Gießerei Fred Zimmer in Hermannsburg und im Jahr 1993 konnte Timm Willem seinen Platz am Rathaus einnehmen, wo er auch heute noch als beliebtes Fotomotiv zur Verfügung steht.

Text und Foto: Silke Winkelmann